Wann

Wann kann man frisches Olivenöl kaufen?

Der Erntezeitraum von Oliven, und damit auch der Erzeugungszeitraum von frischem Olivenöl, erstreckt sich in Südeuropa und rund um das Mittelmeer von Oktober bis März und hängt von unzähligen Gegebenheiten ab. Einige wichtige zu nennende Gegebenheiten sind:

  • die Olivensorte
  • das Land, in dem die Olivensorte kultiviert wird
  • noch genauer: die Anbauregion des Landes und seine Charakteristika - Böden, Höhenlage, Küste etc.
  • die Entwicklung des Klimas in der Anbauregion - über das ganze Jahr gesehen
  • die Entwicklung des Klimas in der Anbauregion - kurz vor und während der Ernte

Es ist also eine vermeintlich einfach Frage, die jedoch Tore zu einer ungeahnten Komplexität und Tiefe des Themas Olivenöl aufstößt. Denn Fragen, die sich landwirtschaftlichen Erzeugnissen widmen, lassen sich sehr selten pauschal beantworten. Auch die Frage “wann man frisches Olivenöl kaufen kann” nicht.

Unsere persönliche Lieblingsfrage knüpft an die eben angedeutete Komplexität des Themas nahtlos an und lautet “Was macht euer Olivenöl denn so besonders?”. Warum diese Frage schnell zu unserem Liebling avanciert ist? Weil es auf der Welt rund 1500 Olivensorten gibt, die ausschließlich geerntet werden, um aus ihnen Öle pressen zu lassen. 1500 Sorten, die unterschiedlichen Regionen mit unterschiedlichen geografischen und klimatischen Gegebenheiten entstammen, unterschiedliche Minerale in entsprechenden Dosen aufnehmen, unterschiedliche Reifegrade zum Erntezeitpunkt besitzen und dadurch einen unterschiedlichen Geschmack ergeben und zu guter Letzt unterschiedlich verarbeitet werden und somit unterschiedliche Inhaltsstoff-Konzentration und Konsistenzen aufweisen können.

Mit diesen Tatsachen im Nacken ist frisches natives Olivenöl extra, in seiner Komplexität vergleichbar mit einem Wein eines bestimmten Jahrgangs. Somit wäre das Vokabular, welches sich beim Erleben und Beschreiben eines Weines längst etabliert hat und sich über Worte wie Abgang, Körper und Textur definiert, auch bei einem Olivenöl passend. Denn Öl ist nicht gleich Öl. Und “fruchtig” ist nicht gleich “fruchtig”.

Wann kann man frisch geerntetes OEL kaufen?

Es gibt unter den Olivenölproduzenten die Faustregel “je früher man erntet, desto höher ist die Qualität aber gleichzeitig niedriger ist der Ertrag”. Genau so lässt sich diese Faustregel natürlich auch umdrehen - je später man erntet, desto höher ist der Ertrag aber niedriger ist die Qualität. Zur alljährlichen Ernte von Oliven ordnet sich also alles der Entscheidung für eine dieser Gleichungen unter. Frisches Olivenöl gibt es so oder so - bloß ob es reichhaltig ist, ist die Frage.

Wir haben diese Entscheidung längst und verbindlich für all die noch kommenden Ernten getroffen. Bei uns wird vergleichsweise früh geerntet. Meist sogar so früh, dass unsere Erntesäcke die ersten sind, welche auf dem Hof der Ölmühle liegen. Bei uns ordnet sich alles einem intensiven Geschmack und einer außerordentlichen Qualität unter. Unsere Ernte vollziehen wir einmal im Jahr, meist von Mitte bis Ende November.

Unser frisches Olivenöl: Das OEL der aktuellen Ernte wird ab Januar 2021 erhältlich sein. Direkt in unserem Onlineshop frisches, fruchtiges natives Olivenöl extra im zeitlosen schwarzen Kanister kaufen →

Olivenöl: ein saisonales Produkt

Olivenbäume tragen einmal im Jahr Früchte. Früchte? Ja Früchte, denn mit ihrem Kern, aber auch allen anderen Eigenschaften, werden Oliven als Steinobst klassifiziert. Frisches Olivenöl ist quasi Saft. Nach dem meist radikalen Baumschnitt zur Ernte, also direkt im Winter, bilden sich im frühen Frühjahr die ersten Blütenstände an den Oliven. Die Blütenbildung ist für die Olive, wie auch für alle anderen Pflanzen, eine enorme Energieleistung. Sie müssen also über ausreichend Zucker als Energieträger und Nährstoffe verfügen. Kurzum: Sie hängen von der Witterung und sattem Sonnenschein ab. Sollte letzterer fehlen, zieht sich die Blütenbildung auch gerne mal bis in den Sommer und das frische Olivenöl lässt folglich länger auf sich warten.

Die anschließende Bestäubung geschieht über den Wind. Die Pollen werden mit dem Wind von Baum zu Baum und damit von Blüte zu Blüte getragen. Diese Art der Selbstbefruchtung würde theoretisch sogar mit nur einem einzigen Baum funktionieren. In großen und damit üblichen Olivenhainen kommt es durch diese Art der Befruchtung zur Aufrechterhaltung und Steigerung der genetischen Vielfalt der Olive. Und damit der geschmacklichen Vielfalt des frischen Olivenöls.

Auf diese Befruchtung im Frühjahr muss dann ein heißer und meist trockener Sommer folgen. Natürlich sind vereinzelte Regenschauer erwünscht, jedoch sollten diese nicht andauern. Primär Licht wird gebraucht. Im Herbst müssen die Temperaturen fallen und die Niederschläge mehr werden. Bleiben die Temperaturen hoch, aber die Niederschläge entsprechen den Erwartungen, vermehren sich in den warmen feuchten Hainen reichlich Schädlinge. Und diese Schädlinge (“Ölwurm”, “Ölfliege” etc.) können die Erträge einer Olivenernte massiv mindern und frisches Olivenöl inhaltlich verschlechtern.

Im Winter dann muss reichlich Sonne scheinen. Pünktlich zur Ernte liegt alles noch einmal in den Händen des Sonnengottes. Warum? Weil an regnerischen Tagen nicht geerntet werden kann. Das hängt nicht etwa mit Zimperlichkeiten der Bäuerinnen und Bauern zusammen, sondern mit der eingehend angesprochenen Tatsache, dass während der Ernte die Bäume beschnitten werden müssen. Wenn man bei Regen erntet und die Bäume schneidet, bilden sich an den Schnittstellen tumorartige Geschwülste. Der Baum erkrankt schwer und nachhaltig. Und das verheißt oft nichts Gutes.

Wenn diese komplexe und sensible Abfolge von klimatischen Gegebenheiten geschehen ist, kann man allen möglichen Göttern danken und getrost von einem guten Jahr sprechen. Die Oliven sollten dann den richtigen Reifegrad aufweisen, einen guten Wassergehalt haben und eine gesunde Färbung aufweisen.

Neues Olivenöl, neue Probleme

Jedes Jahr gibt es neues frisches Olivenöl. Und jedes Jahr gibt es neue Probleme. Wenn es nicht die Ölfliege “Bactrocera oleae” ist, die den Olivenbäuerinnen und -bauern Kopfschmerzen bereitet, treten umgehend neue Phänomene und Zufälle auf den Plan. So zum Beispiel die wirklich unglaubwürdige Verkettung unglücklicher Zufälle namens “Xylella fastidiosa”. Dieses südamerikanische Bakterium hat seinen Weg über eine, für den Pflanzenmarkt Italiens bestimmte, Ladung Oleanderpflanzen in die Olivenbäume gefunden. Und Geschmack an eben diesen gefunden.

Im Baum angekommen, nistet sich das Bakterium im Xylem, dem Transport-Leitgewebe des Baums, ein und bildet einen Film aus. Dieser Film blockiert den Transport von Wasser und Nährstoffen aus den Wurzeln durch den Baum. Die Folge ist: Der Baum vertrocknet trotz intakter Vitalfunktionen. Dieses Schicksal hat bereits Millionen Bäume in Italien, Frankreich und Spanien ereilt. Die einzige Lösung: Baum fällen. Frisches Olivenöl wird es dann allerdings viele Jahrzehnte lang nicht mehr geben.

Zu diesen unbequemen Aussichten gesellt sich natürlich auch noch der Klimawandel: Die zunehmende Versandung der Böden, die Unberechenbarkeit des Wetters, die ausbleibenden Niederschläge und die aggressiven Stürme bedrohen die Existenz von unzähligen Nutzpflanzen in ganz Europa.

Olivenöl in 2020

Wir glauben, dass wir uns alle einig sind wenn wir behaupten, dass 2020 kein besonders nennenswertes und gutes Jahr war. Und für uns neigt es sich auf die gleiche unberechenbare Art und Weise dem Ende, wie es vor gefühlten Ewigkeiten begann - nämlich mit jeder Menge Nova. Noch nie haben wir unser frisches Olivenöl nicht selbst erzeugt und damit die Ernte verpasst, noch nie mussten wir so lange auf einen persönlichen Kontakt zu unseren Kunden verzichten und noch nie waren wir so wenig in Griechenland. Doch 2020 räumt ungebrochen mit den Gewohnheiten auf.

Die aktuelle Ernte wird und wurde mit vielen Helferinnen und Helfern vor Ort bewerkstelligt. Denn unsere Oliven müssen ausschließlich von Hand geerntet und verarbeitet werden. All diese Helferinnen und Helfer haben uns würdig vertreten können und Sorge dafür getragen, dass unser frisches fruchtiges natives Olivenöl extra rechtzeitig und ausschließlich in gewohnter Qualität seinen Weg in die schwarzen Kanister findet.

Fakt zur Qualität: Unser OEL ist nicht kaltgepresst, sondern kaltextrahiert. Der Unterschied liegt in der Verwendung einer Presse oder einer Zentrifuge. Bewiesenermaßen sind kaltextrahierte Olivenöl hochwertiger, als kaltgepresste. Und hochwertig definiert sich über die Konzentration an Inhaltsstoffen wie z.B. Fettsäuren.

Ernte Countdown