Das Vogel­ster­ben

Das jähr­li­che mil­lio­nen­fa­che Ster­ben hun­der­ter Sing­vo­gel­ar­ten wäh­rend der Oli­ven­ern­te ist spür­bar stär­ker in das Zen­trum der öffent­li­chen Wahr­neh­mung gerückt. Wie für sicher­lich vie­le von Ihnen war es auch für uns eine nahe­zu unbe­kann­te The­ma­tik. Zu groß ist unser geo­gra­fi­scher, wie auch inhalt­li­cher Abstand zu die­sen Ereignissen. 

Vie­le Kun­den, Part­ner, Freun­de und Ver­wand­te haben uns in den ver­gan­ge­nen Mona­ten auf unzäh­li­ge Bericht­erstat­tun­gen hin­ge­wie­sen, uns um Rat gebe­ten oder gar Garan­tien von uns ein­ge­for­dert, dass wir und damit unser OEL nicht Teil die­ser The­ma­tik sind. Wäh­rend unse­ren Recher­chen zu die­sem, bewusst als ers­tes Kapi­tel die­ses Jour­no­el gewähl­ten, The­ma haben wir fest­stel­len müs­sen wie viel­schich­tig es ist — ent­spre­chend schwie­rig gestal­tet sich eine Ana­ly­se. Wir wagen einen Versuch: 

Oli­ven­baum als Lebensraum 

Oli­ven­hai­ne gel­ten als wah­re Oasen der Bio­di­ver­si­tät in den sonst so kar­gen land­wirt­schaft­li­chen Mono­kul­tur-Wüs­ten. Füh­ren­de For­scher süd­eu­ro­päi­scher Uni­ver­si­tä­ten bemü­hen sich seit Jahr­zehn­ten um eine fun­dier­te Bestands­auf­nah­me, um einen gesetz­li­chen Schutz eben die­ser Oasen und deren nach­hal­ti­ger Bewirt­schaf­tun­gen zu errei­chen. Fakt ist bereits, dass hun­der­te euro­päi­sche Vogel­ar­ten Oli­ven­hai­ne als Rück­zugs­ort nut­zen. Zu erklä­ren ist dies durch die Tat­sa­che, dass ursprüng­li­che Oli­ven­hai­ne tau­sen­de blü­hen­de Wild­kräu­ter behei­ma­ten und damit eine star­ke Anzie­hung für bestäu­ben­de Insek­ten haben — die wie­der­um eine opti­ma­le Nah­rungs­quel­le für die Vogel­ar­ten bil­den. Mit die­ser Ver­ket­tung von Bedin­gun­gen gehö­ren Oli­ven­hai­ne zu den wich­tigs­ten Kul­tur­land­schaf­ten für den Schutz der süd­eu­ro­päi­schen Biodiversität. 

Spa­ni­en – der größ­te Pro­du­zent der Welt 

Spa­ni­en ist mit rund 300 Mil­lio­nen Oli­ven­bäu­men und einer Jah­res­pro­duk­ti­on von rund 1,79 Mil­lio­nen Ton­nen Oli­ven­öl ( Stand 2018/19 ) der welt­weit größ­te Pro­du­zent von Oli­ven­ölen und soll­te, wenn man die eben aus­ge­führ­te Fak­ten­la­ge bedenkt, das reins­te öko­lo­gi­sche Para­dies sein. Die Rea­li­tät zeich­net jedoch ein völ­lig ande­res Bild. 

In Spa­ni­en wer­den seit Jahr­zehn­ten Oli­ven­hai­ne im Sti­le der indus­tria­li­sier­ten Land­wirt­schaft kul­ti­viert. Das heißt, dass Oli­ven­bäu­me zur opti­ma­len Nut­zung der begrenz­ten Flä­chen dicht in Reih und Glied gepflanzt wer­den und zur Ermög­li­chung einer voll­au­to­ma­ti­sier­ten kos­ten­spa­ren­den Ern­te, durch geziel­tes regel­mä­ßi­ges Trim­men auf Busch­grö­ße redu­ziert wer­den. Selbst die geschul­tes­ten Augen müs­sen bei dem Anblick die­ser Hai­ne mehr­mals hin­se­hen, um in die­sen iden­ti­schen Alle­en Ansät­ze der eigent­li­chen Pracht, Kraft und Stär­ke der immer ver­schie­den wach­sen­den Oli­ven­bäu­me zu erahnen. 

“Blu­ti­ges Olivenöl” 

Zwi­schen Sep­tem­ber und Novem­ber machen Mil­lio­nen euro­päi­scher Zug­vö­gel in Süd­eu­ro­pa einen Zwi­schen­halt oder las­sen sich gar nie­der um zu Über­win­tern. Zu die­ser Zeit des Jah­res steht eben­falls die Oli­ven­ern­te an. Auf Grund von Effi­zi­enz­stre­ben, Wett­be­wer­ben, Zeit­druck, fal­len­den Prei­sen und immenser Kos­ten ent­schei­den sich vie­le Bau­ern für einen super­in­ten­si­ven Anbau und einen anschlie­ßen­den voll­ma­schi­nel­len Abbau der Oli­ven. Bewerk­stel­ligt wird solch ein voll­ma­schi­nel­ler Abbau u.a. durch soge­nann­te Stelzentraktoren. 

Bei der Oli­ven­ern­te rich­tet sich alles nach dem Rei­fe­grad der Oli­ven und damit nach dem opti­ma­len Geschmack des Oli­ven­öls. Beson­ders unter den indus­tri­ell ver­ar­bei­ten­den spa­ni­schen Bau­ern hat sich die Ansicht ver­brei­tet, dass die ver­gleichs­wei­se nied­ri­gen Tem­pe­ra­tu­ren der Nacht einen opti­ma­len Geschmack des Oli­ven­öls begüns­ti­gen. Und so geschieht es fata­ler­wei­se, dass die rie­si­gen Stel­zen­trak­to­ren sich nachts durch die Alle­en der Oli­ven­hai­ne arbei­ten, mit ihren Schein­wer­fern die, in den Bäu­men nis­ten­den, Zug­vö­gel par­al­le­li­sie­ren und läh­men und die Zug­vö­gel schluss­end­lich mit den Oli­ven zusam­men aus dem Baum gesaugt werden. 

Dank der Stel­zen­trak­to­ren kann auf die kos­ten­in­ten­si­ve mensch­li­che Arbeit ver­zich­tet wer­den und ein betriebs­wirt­schaft­lich ren­ta­bles Oli­ven­öl erzeugt wer­den. Zum Leid­we­sen der Mil­lio­nen Zugvögel. 

Ver­ant­wor­tung 

Wer ist für solch eine Pro­ble­ma­tik ver­ant­wort­lich? Sind es die Bau­ern mit ihren Maschi­nen? Sind es die vor allem deut­schen Dis­coun­ter, die ihren Wett­be­werb unter­ein­an­der auf den Schul­tern der Pro­du­zen­ten las­ten las­sen? Sind es die Geset­ze? Oder sind es die Zug­vö­gel selbst? Sie könn­ten sich auch schlicht­weg in einen ande­ren Baum setzen. 

Wir sind der Mei­nung, dass es auf jeden Fall nicht die Zug­vö­gel sind. Die Geset­ze der Euro­päi­schen Uni­on las­sen einen zu gro­ßen Inter­pre­ta­ti­ons­raum zu, sodass selbst in der bio­lo­gisch zer­ti­fi­zier­ten Ver­ar­bei­tung Maschi­nen, wie der beschrie­be­ne Stel­zen­trak­tor, erlaubt sind. Die vor allem deut­schen Dis­coun­ter tra­gen ihre Feh­den auf den Rücken der Pro­du­zen­ten aus und ver­der­ben mit den 0,..-Preisen das Bewusst­sein der Men­schen im Bezug auf rea­lis­ti­sche Pro­dukt­prei­se. Zusätz­lich sorgt der anhal­ten­de “Bio-Boom”dafür, dass selbst im Bio­fach­han­del das kol­lek­ti­ve Preis­ge­drü­cke zur gän­gi­gen Pra­xis wird. > BIO < wur­de vor etli­chen Jahr­zehn­ten ins Leben geru­fen um mit der Natur zu leben, den Erhalt der klein­tei­li­gen Land­wirt­schaft zu gewähr­leis­ten und um mit fai­ren Pro­duk­ti­ons­be­din­gun­gen für eine aus­ge­gli­che­ne und ver­trau­ens­vol­le Bezie­hung zwi­schen Pro­du­zent und Kon­su­ment zu sorgen. 

Aber um nicht abzu­schwei­fen: für uns ist ein jeder von uns ver­ant­wort­lich dafür, was jedes Jahr mit den Zug­vö­geln in Süd­eu­ro­pa geschieht. Wir ent­schei­den mit unse­rem Kauf­ver­hal­ten wie wir uns zu sol­chen Pro­ble­ma­ti­ken positionieren. 

Fazit: Nicht nur reden son­dern auch machen. Und das geht, bezo­gen auf die Ret­tung von hun­der­ten Sing­vo­gel­po­pu­la­tio­nen, wie folgt: 

https://www.change.org/p/deoleo-ein-ende-für-den-millionenfachen-vogelmord-durch-die-olivenernte

Denn allein ein Gesetz, dass es ver­bie­tet nachts zu ern­ten, wür­de hel­fen! Die Vögel könn­ten so die Gefahr früh­zei­tig erken­nen und wür­den flie­hen und damit überleben. 

Quel­len: 

I. https://​www​.arte​fakt​.eu/​w​i​s​s​e​n​/​o​l​i​v​e​n​o​e​l​b​e​t​r​u​g​-​v​o​g​e​l​s​t​e​r​b​e​n​-​u​n​d​-​d​a​s​-​v​o​r​h​a​b​e​n​-​v​o​n​-aldi/
II. https://​www​.focus​.de/​w​i​s​s​e​n​/​e​r​n​t​e​-​i​n​-​d​e​r​-​n​a​c​h​t​-​m​i​l​l​i​o​n​e​n​-​v​o​e​g​e​l​-​s​t​e​r​b​e​n​-​d​a​m​i​t​-​u​n​s​e​r​e​-​o​liven- besonders-gut-schmecken_id_10781569.html
III. https://​www​.bau​ern​zei​tung​.ch/​a​r​t​i​k​e​l​/​v​o​g​e​l​s​t​e​r​b​e​n​-​f​u​e​r​-​oliven
IV. https://​www​.oelea​.de/​b​l​o​g​/​s​t​o​p​p​t​-​d​i​e​-​o​l​i​v​e​n​e​r​n​t​e​-​b​e​i​-nacht
V. https://www.change.org/p/deoleo-ein-ende-für-den-millionenfachen-vogelmord-durch-die- oli­ven­ern­te
VI. https://www.stern.de/panorama/wissen/olivenoel—warum-millionen-singvoegel-fuer-unser- oel-sterben-muessen-8735660.html
VII. https://​ethik​gui​de​.org/​b​l​o​g​/​d​e​r​-​b​e​i​g​e​s​c​h​m​a​c​k​-​d​e​s​-​t​o​d​e​s​-​v​o​g​e​l​s​t​e​r​b​e​n​-​f​u​e​r​-​d​i​e​-​o​l​i​v​e​n​ernte/
VIII. https://​www​.tr​-ada​.ch/​k​a​t​e​g​o​r​i​e​n​/​k​o​n​s​u​m​/​1​8​7​-​a​m​-​o​l​i​v​e​n​o​e​l​-​k​l​e​b​t​-​v​o​g​elblut 

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